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    KI-Nutzung in Deutschland: Wer ChatGPT nutzt und wo das Vertrauen endet

    Dr. Oliver Gausmann · 2. Juli 2026 · 5 Min.

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    ClaudeChatGPTPerplexity
    Eine Person fotografiert das Brandenburger Tor mit dem Smartphone, Sinnbild für die digitale Kommunikation in Deutschland.

    KI-Nutzung ist in Deutschland vor allem eine Frage des Alters. 87,5 % der 16- bis 19-Jährigen nutzen ChatGPT, bei den über 60-Jährigen sind es 26,6 % (Frage P24, Welle 16, Mehrfachnennungen) [1]. Google Gemini erreicht seinen höchsten Wert mit 31,5 % bei den 30- bis 39-Jährigen, Perplexity kommt bei den unter 30-Jährigen auf 12,5–13,6 % [1]. Auch der Einsatzzweck ist vermessen: 34,3 % nutzen KI für die Produktsuche (P26), 35,0 % würden eine KI-gestützte E-Mail-Verwaltung nutzen (P28) [1]. Beim autonomen Einkaufen endet das Vertrauen, 53,8 % lehnen es ab, dass eine KI selbstständig Käufe tätigt (P27) [1].

    Die Zahlen stammen aus der Studie zur Internetkommunikation 2025/26, die Convios seit 2009 im Auftrag von WEB.DE und GMX (United Internet) durchführt, inzwischen in der 16. Welle [1]. Erhoben wurde im Oktober 2025 per CAWI mit 1.004 Befragten, repräsentativ. Erstmals weist die Studie einen Drei-Jahres-Trend zur KI-Nutzung aus, aufgeschlüsselt nach Anbieter, Alter, Geschlecht und Bildung. Damit lässt sich KI-Adoption in Deutschland zum ersten Mal über mehrere Jahre und Bevölkerungsgruppen hinweg verfolgen.

    Wie viele Deutsche nutzen ChatGPT, Gemini und Perplexity?

    ChatGPT führt das Feld deutlich an, mit einem steilen Altersgefälle: 87,5 % der 16- bis 19-Jährigen nutzen den Dienst, bei den über 60-Jährigen sind es 26,6 % (P24, Mehrfachnennungen) [1]. Gemini ist bei den 30- bis 39-Jährigen am stärksten vertreten (31,5 %). Perplexity erreicht bei den unter 30-Jährigen 12,5–13,6 % und bleibt damit ein Werkzeug der Jüngeren [1].

    Mir fällt an diesen Zahlen vor allem der Abstand auf. Zwischen der jüngsten und der ältesten Gruppe liegen bei ChatGPT gut 60 Prozentpunkte (eigene Rechnung auf Basis von P24). Wer über KI-Adoption in Deutschland spricht, spricht also über sehr unterschiedliche Realitäten: Für Schüler und Berufseinsteiger ist ChatGPT Alltag, für die Generation 60+ eine Ausnahme. Dass die Studie den Verlauf erstmals über drei Jahre und zusätzlich nach Geschlecht und Bildung aufschlüsselt, macht diese Lücke über die Zeit messbar.

    Vertrauen die Deutschen KI beim Einkaufen?

    Nur bis zu einem klaren Punkt. 34,3 % der Befragten nutzen KI bereits für die Produktsuche (P26) [1]. Sobald die KI aber selbstständig kaufen soll, kippt das Bild: 53,8 % lehnen autonomes KI-Einkaufen ab (P27) [1]. Die Verbraucher lassen sich bei der Recherche helfen und behalten die Kaufentscheidung selbst.

    Für Anbieter von Agenten-Funktionen ist das eine harte Ansage. Ein Drittel der deutschen Online-Bevölkerung hat KI bereits in den Kaufprozess gelassen. Bei der finalen Entscheidung steht eine Mehrheit auf der Bremse. Wer agentisches Einkaufen baut, muss die Kontrolle sichtbar beim Menschen lassen, sonst arbeitet er gegen 53,8 % seines Marktes [1].

    Bleibt E-Mail der wichtigste Kanal zwischen Kunden und Unternehmen?

    Ja, mit großem Abstand. 77,7 % der Deutschen bevorzugen E-Mail für die Kommunikation mit Unternehmen, Chatbots erreichen 16,8 % (P42) [1]. 82,8 % wollen Bestellbestätigungen per E-Mail erhalten. Der Kanal ist dabei mobil geworden: 66 % nutzen E-Mail primär auf dem Smartphone (P23) [1].

    Der Blick zurück zeigt, wie stabil dieser Markt ist. Seit der ersten Welle 2009 hat WEB.DE seinen Anteil von 23,0 % auf 26,4 % ausgebaut, Gmail fiel von 17,5 % auf 13,8 % (P8) [1]. 50,1 % der Nutzer bleiben aus Gewohnheit bei ihrem Anbieter (P12), und 82,2 % zahlen nichts für ihr Postfach (P19) [1]. Ein träger, gewohnheitsgetriebener Markt, in dem sich Anteile über 16 Jahre nur um wenige Punkte verschieben.

    Und die KI-Frage im Postfach? 35,0 % würden eine KI nutzen, die ihre E-Mails verwaltet (P28) [1]. Zusammen mit den 34,3 % bei der Produktsuche ergibt das ein konsistentes Bild: Rund ein Drittel der deutschen Online-Bevölkerung ist offen dafür, KI Routinearbeit zu übergeben. Die Grenze aus P27 bleibt bestehen, entscheiden soll der Mensch.

    Wie groß ist das Interesse an einer Super-App in Deutschland?

    In der Lebensmitte am größten. 53,6 % der 30- bis 39-Jährigen und 52,4 % der 20- bis 29-Jährigen zeigen Interesse an einer Super-App (P43) [1]. Bei den 16- bis 19-Jährigen sind es 41,7 %, bei den 40- bis 49-Jährigen 42,8 %, danach fällt die Kurve auf 32 % (50–59) und 23,4 % (60+) [1].

    Überraschend finde ich die Jüngsten. Ausgerechnet die Gruppe mit der höchsten ChatGPT-Nutzung liegt beim Super-App-Interesse hinter den 20- bis 39-Jährigen. Die höchste KI-Nutzung und das höchste Interesse an gebündelten Diensten sitzen also in unterschiedlichen Altersgruppen. Für Produktstrategen heißt das, beide Kurven getrennt zu lesen, bevor sie eine Zielgruppe festlegen.

    Wie stehen die Deutschen zum Datenschutz bei US-Anbietern?

    Gespalten. 26,9 % der Befragten haben Bedenken, ihre Daten US-Konzernen anzuvertrauen, 41,5 % antworten mit teilweise, 22,4 % haben keine Bedenken (P35) [1]. Die Studie vergleicht dazu die Nutzung von US-Cloud-Diensten wie Google Drive, Apple iCloud, Microsoft, Amazon und Dropbox mit dem deutschen Angebot von T-Online (P30) [1].

    Addiert man Bedenken und Teil-Bedenken, äußern über zwei Drittel der Befragten Vorbehalte gegenüber US-Datenverarbeitung (eigene Rechnung auf Basis von P35: 26,9 % plus 41,5 %). Für europäische Anbieter ist das ein Ansatzpunkt. Die gleiche Studie dämpft die Erwartung allerdings gleich mit, denn 50,1 % bleiben aus Gewohnheit bei ihrem Anbieter (P12) [1].

    Meine Einordnung

    Ich lese die Studie als Korrektiv für Produkt-Roadmaps. In vielen B2B-Software-Planungen, die ich sehe, steht der Chatbot weit oben und die E-Mail gilt als Altlast. Die Kunden dieser Unternehmen sagen mit 77,7 % zu 16,8 % das Gegenteil. Ähnlich klar ist die Generationenfrage: Wer heute für Einkäufer zwischen 40 und 60 baut, kann sich auf die Selbstverständlichkeit der 16- bis 19-Jährigen im Umgang mit ChatGPT nicht verlassen. Für Go-to-Market heißt das, KI-Funktionen nach Zielgruppe zu dosieren und die letzte Entscheidung beim Kunden zu lassen. Na ja, und wer einen autonom handelnden KI-Agenten verkauft, sollte die 53,8 % Ablehnung aus P27 in sein Onboarding einpreisen, bevor der Vertrieb sie im Erstgespräch erklärt bekommt.

    Die vollständigen Ergebnisse der Studie zur Internetkommunikation 2025/26 mit allen Trendreihen und Aufschlüsselungen finden Sie auf der Studien-Seite zur Internetkommunikation. Dort können Sie auch die Vollstudie anfragen. Weitere Analysen zu Skalierung und KI finden Sie in unseren Insights auf convios.com.

    Häufige Fragen

    Wie viele Deutsche nutzen ChatGPT, Gemini und Perplexity?

    ChatGPT führt klar: 87,5 % der 16- bis 19-Jährigen nutzen den Dienst, bei den über 60-Jährigen sind es 26,6 %. Gemini erreicht seinen Höchstwert mit 31,5 % bei den 30- bis 39-Jährigen, Perplexity kommt bei den unter 30-Jährigen auf 12,5 bis 13,6 %.

    Vertrauen die Deutschen KI beim Einkaufen?

    Bis zur Produktsuche ja: 34,3 % nutzen KI bereits dafür. Bei der Kaufentscheidung endet das Vertrauen, 53,8 % lehnen autonomes KI-Einkaufen ab. Die Verbraucher lassen sich helfen und behalten die finale Entscheidung selbst.

    Ist E-Mail weiter der bevorzugte Kanal zwischen Kunden und Unternehmen?

    Ja, mit großem Abstand: 77,7 % der Deutschen bevorzugen E-Mail für die Kommunikation mit Unternehmen, Chatbots erreichen 16,8 %. 82,8 % wollen Bestellbestätigungen per E-Mail, 66 % nutzen den Kanal primär mobil.

    Woher stammen die Zahlen der Studie?

    Aus der Studie zur Internetkommunikation 2025/26, die Convios seit 2009 für WEB.DE und GMX durchführt, inzwischen in der 16. Welle. Erhoben im Oktober 2025 per CAWI mit 1.004 repräsentativ Befragten, erstmals mit Drei-Jahres-Trend zur KI-Nutzung.